Die Ausgaben für Arzneimittel haben sich in Deutschland für die gesetzlichen Krankenkassen in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Sie stiegen im Jahre 2024 auf fast 60 Milliarden Euro. Kostentreiber sind vor allem Medikamente mit Patentschutz. Sie verursachen rund 54 Prozent der Kosten, machen aber nur sieben Prozent der Verordnungen aus. Was müssen die Gesetzlichen zahlen? Eine „unvollständige Übersicht“:
Nach Krankheitsbildern
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Volkskrankheiten (Blutverdünner, Diabetes, Herz-Kreislauf)
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Biologika (genetisch veränderte Bakterien, Hefezellen, oder Säugetier-Zellkulturen hergestellt) & Krebsmedikamente
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Orphan Drugs (seltene Krankheiten) sowie Gentherapien
Nach Art der Arzneimittel
Gesamtausgaben der GKV für Arzneimittel: 50–60 Milliarden € pro Jahr
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Massenmedikamente: > (mehr als) 70 Prozent
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Spezialtherapien: stark wachsend
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Gentherapien: < (weniger als) fünf Prozent, aber von hohem Zuwachs.
Die teuersten Medikamente pro Patient sind nicht die größten Kostentreiber, die größten Belastungen entstehen (noch) durch:
Das Krebsmittel Keytruda ist zur Zeit das umsatzstärkste Medikament der Welt. Die Gesundheitskosten dafür sind in Deutschland allein im vergangenen Jahr auf mehr als zwei Milliarden Euro gestiegen.
Es ist ein sogenannter Checkpoint-Inhibitor, also ein Antikörper gegen Krebs. Er aktiviert das Immunsystem gegen Tumorzellen in Lunge, Haut, Niere, Kopf-Hals u. a.). Der Hersteller ist Merck & Co (USA), außerhalb Nordamerikas tritt das Unternehmen als MSD (Merck Sharp & Dohme auf. Dass Pharma-Konzerne horrende Preise verlangen können, liegt im System: So darf in den ersten sechs Monaten nach einer Zulassung der Hersteller den Preis für ein patentgeschütztes Medikament diktieren. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen zahlen. Anschließend wird wieder verhandelt...
Allerweltsmedikament
Zu den Spitzenreitern der Verschreibung gehört in Deutschland der Blutverdünner Eliquis (Apibaxan). Einer der größten Einzelposten der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) insgesamt. Das Einsatzgebiet: nach Vorhofflimmern, Thrombosen-Prophylaxe z.B. nach Implantation von künstlichen Gelenken.
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Kosten: ca. 800–1.200 € pro Patient/Jahr (z.B. 250 Euro pro 200er Packung)
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Gesamtausgaben für die Kassen: mehrere Milliarden € jährlich. Im Mai 2026 soll der Patentschutz erlöschen. Die Preise für den Wirkstoff (Apibaxan) werden durch Generika wohl deutlich fallen.
An zweiter Stelle stehen Medikamente gegen Diabetes Typ 2. Die Ursachen und Anzeichen der Erkrankung (verkürzt Insulin-Mangel) sind:
Etwa 8,5 bis 9 Millionen Menschen in Deutschland leiden an dieser Zuckerkrankheit. Das entspricht etwa 10 Prozent der Bevölkerung.
Die Medikamente sind: Ozempic und verschiedene Insuline. Hier sind stark steigende Kosten durch moderne Wirkstoffe zu beobachten. Kosten ebenfalls mehrere Milliarden Euro pro Jahr
Wie geht’s weiter?
Die Pharma-Industrie konzentriert sich übrigens stärker auf „seltene“ Krankheiten und die Krebsbehandlung. Therapien kosten pro Patient hier schnell mehrere 100tausend Euro.
Doch Vorsicht bei Vorverurteilungen. Wir werden immer älter und verlassen uns inzwischen auf wirksame Medikamente, die unsere Lebensqualität erhöhen.
Nur auf die (geldgierige) Pharma-Industrie herziehen, hilft nicht. Schuld an der Kostenexplosion sind auch unsere Ansprüche. Ärzte können ein Lied davon singen, was ihre Patienten alles einfordern.
Und: Eine wirksame Spritze gegen eine Krebs-Variante könnte einem Patienten schnell teure Chemotherapien, Bestrahlungen und Operationen ersparen. Und den Beitragszahlern der Krankenkassen – also uns - unterm Strich viel Geld. (Hajo Guhl)
Zahlen zu den GKV
1. Wie viele Bürger sind in Deutschland in den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) versichert?
Rund 73 Millionen Menschen sind in Deutschland gesetzlich versichert, das entspricht rund 88–90 Prozent der Bevölkerung. Davon sind:
2. Wieviel zahlen die Versicherten ein?
Die Krankenversicherung nehmen rund 320–330 Milliarden Euro an Beiträgen pro Jahr ein, inklusive 50 Prozent Arbeitgeberanteil
3. Wie hoch ist der Umsatz der GKV, auch gemessen am Brutto-Sozial-Produkt?
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ( BIP) erreichte im Jahre 2023 rund 4,1 Billionen Euro. Die GKV-Ausgaben lagen bei 320 Mrd. Euro. Macht einen Anteil von rund 7,5–8 Prozent des BIP
4. Wieviel zahlt der Staat an die GKV?
Der Staat zahlt in den Gesundheitsfond jährlich rund 14–16 Milliarden Euro pro Jahr u.a. für die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen wie Familienversicherung oder Mutterschaft
5. Wie hoch sind die Aufwendungen für rezeptpflichtige Medikamente durch die GKV?
Etwa 55–60 Milliarden Euro pro Jahr (2024) wenden die GKV auf. Davon sind 80–85 Prozent verschreibungspflichtige Arzneimittel. Der Anteil an GKV-Gesamtausgaben etwa 18–20 Prozent
6. Wieviel Privatpatienten gibt es?
Rund 10–11 Prozent der Bevölkerung (8,7 Mio. Bürger) sind privat versichert. Zusätzlich gibt es 25 Mio. Zusatzversicherungen.